Mitnehmen, nicht ausgrenzen

Fridays For Future Erfurt bei der Otto-Brenner-Stiftung in Berlin – Podiumsdiskussion zum Thema „Mauern im Kopf“

Wie denken junge Menschen in Ost und West über Wirtschaft, Politik, und Zukunft – 30 Jahre nach dem Fall der Mauer? Darüber diskutierten am 19. und 20. November 2019 auf Einladung Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung in Berlin die Moderatorin Nadine Lindner vom Deutschlandradio mit Annika LIebert von Fridays For Future Erfurt, Ina Reber vom Ortsjugendausschuss Chemnitz der IG-Metall, Rainer Faus von der polytix strategic rewearch gmbH und der Chefreadkteurin Marieke Reimann von ZE.TT, dem Jungen Magazin der Zeit.

Wir stehen für sozial ausgewogenen Klimaschutz”

Grundlage war die bereits die im Frühjahr veröffentlichte Studie der Otto-Brenner-Stiftung zur ersten Nachwende-Generation. Darin stellte man fest: Es gibt noch immer “Mauern im Kopf.” Jugendliche aus Ost und West denken unterschiedlich über die Bedeutung von Bildung und der eigenen Sozialisierung, über die eigene wirtschaftliche Situation und über ihrer eigene Zukunft. In der Podiumsdiskussion wurde deutlich: gerade hinsichtlich der Einstellung zu Politik und Gesellschaft sind die “Mauern” noch da. Im Osten werde die wirtschaftliche Situation deutlich schwieriger gesehen, es gebe gefühlt mehr Ungerechtigkeit, während die Menschen im Westen sich zufriedener zeigten. 

Annika Liebert von Fridays For Future Erfurt auf der Jahrestagung der Otto-Brenner-Stiftung 2019 – Foto(s): Chrisitan von Polentz, © Otto Brenner Stiftung

Eingeladen von der Otto-Brenner-Stiftung in Berlin spricht Fridays For Future Erfurt über “Mauern im Kopf”

Große Unterschiede gäbe es vor allem auch zwischen Stadt und Land.  Auch die Frage, wie man politisch Einfluss nehmen könne, wurde unterschiedlich beantwortet. Annika LIebert zeigte aus Sicht von Fridays For Future Erfurt auf, wie das Thema Klimawandel im Osten ganz anders polarisiere: “Es ist bei Fridays For Future Erfurt ein großes Thema: Wie schaffen wir das, unser Anliegen für mehr Klimaschutz besser zu etablieren? Wir haben den Eindruck, dass wir Osten dafür stärker arbeiten müssen.“

„Wir müssen uns neu orientieren, was Klimaschutz und insbesondere Klimagerechtigkeit für uns konkret bedeuten – und was wir erreichen können.“ erzählte sie dabei von der Arbeit von Fridays For Future Erfurt. Die Menschen haben das Gefühl, man wollte ihnen etwas erreichtes wieder wegnehmen. Dabei ist Klimawandel für uns keine Sache von Verboten. „Uns geht es vielmehr um eine ausgewogene soziale Gerechtigkeit, damit wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Wir wollen die Leute mitnehmen, nicht ausgrenzen!”

„Wir wollen die Menschen beim Klimaschutz mitnehmen – nicht ausgrenzen.“

Angesprochen auf die Rolle der Medien meinte sie, man dürfe nicht Rechts und Links miteinander vergleichen. Für die Aussage: „Bodo Ramelow hat in den letzten Jahren gute Arbeit gemacht.“ erntete sie großen Szenenapplaus. Sie wünschte sich jedoch mehr Transparenz und Differenzierung in der Berichterstattung. „Gerade bei dem Thema Klimaschutz habe ich den Eindruck, da bewegt sich etwas.“

Bewusst war für die Podiumsdiskussion eine Vertreterin einer kleinen Fridays For Future-Ortsgruppe eingeladen worden, weil man bewusst ihre Sicht aus den östlichen Bundesländern hören wollte. Anlass für die Podiumsdiskussion war die Verleihung des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus, der in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen wurde und an das Rechercheteam von Panorama und correctiv ging, die die cum-ex-Geschäfte aufdeckten und weiterverfolgten.

Mehr über die Otto-Brenner-Stiftung auf https://www.otto-brenner-stiftung.de/ . Die Podiumsdiskussion in voller Länge ist dort dokumentiert: https://www.otto-brenner-stiftung.de/veranstaltungen/veranstaltungs-dokumentation/jahrestagungen-der-obs/2019/

Wir danken herzlich für die zur Verfügung gestellten Fotos: Chrisitan von Polentz, © Otto Brenner Stiftung.