#20-12 Mach dein Licht an! 1 Jahr Fridays For Future Erfurt

Ein Licht in der Dunkelheit! 1 Jahr Fridays For Future Erfurt

Am Freitag, den 20. Dezember 2019, wird Fridays For Future Erfurt eine „Lichterdemo“ veranstalten. Unter dem Motto: „Ein Licht in der Dunkelheit – Klimagerechtigkeit jetzt!“ sind die Teilnehmer*innen aufgerufen, Lichter mit zur Demonstration zu bringen. „Von Kerzen über Laternen bis hin zu Lichterketten ist alles möglich, was Gemütlichkeit und Aufmerksamkeit bringt,“ meint Organisator Matuš Volkmann. „Wir wollen bewusst Lichter anzünden, um zu zeigen, dass Fridays for Future nach einem Jahr regelmäßiger Klimastreiks Licht ins Dunkel der Klimadebatte gebracht hat“, so Sprecherin Annika Liebert im Vorfeld.

Bring auch du Licht in die Dunkelheit – und reih‘ dich ein!

Der Demozug startet um 16 Uhr am Bahnhofsvorplatz und führt dieses Mal quer durch die Stadt auch an den Weihnachtsmärkten vorbei. „Es ist unsere Chance, vor Weihnachten noch einmal deutlich zu machen, dass unambitionierte, kleinschrittige und ungerechte Maßnahmen, die von der Politik als ‚Klimaschutzmaßnahmen‘ deklariert werden, nicht das sind, was Fridays For Future seit einem Jahr fordert“, erklärt dazu Sprecher Marvin Volk. „Wir machen auf die verheerende Situation auf unserem Planeten aufmerksam!“, ergänzt Matuš Volkmann mit Blick auf die verheerenden Brände, die große Teile des Regenwalds zerstört haben. Schließlich ist am 20. Dezember zugleich der Internationale Regenwald-Aktionstag. „Die Zerstörung der grünen Lunge unserer Erde ist schließlich auch dem Massenkonsum der Industrieländer geschuldet“, meint Annika Liebert und appelliert an unsere eigene Verantwortung.

1 Jahr Fridays For Future Erfurt

Mit dieser Demo blicken die Schüler*innen und anderen Demoteilnehmer*innen zugleich auf 1 Jahr Fridays For Future Erfurt zurück. „Das will gefeiert werden, laut und deutlich machen wir klar: Wir geben nicht auf. Wir kämpfen weiter für mehr Klimagerechtigkeit!“, ist Matuš Volkmann überzeugt.

„Wir haben dieses Jahr vieles erlebt: Das lasche Klimaschutzgesetz in Deutschland, die schwierigen Landtagswahlen in Thüringen, jetzt das Versagen der Weltklimakonferenz“, meint Marvin Volk. „Wir sehen, dass es den Druck von der Straße braucht, um die Entscheidungsträger*innen in der Politik zur Verantwortung zu ziehen.“ Für das Orgateam von Fridays for Future Erfurt ist wichtig, das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. „Es muss eine Bewusstseins-Wende kommen – und das geht nur, wenn wir präsent sind,“ sind sich alle einig.

Fridays for Future Erfurt im Europaparlament – „Wir werden den Druck erhöhen“

Auf Einladung des Europa-Abgeordneten Michael Bloss besuchten vom 30.11 bis 2.12. Vertreter von Fridays For Future Erfurt gemeinsam mit Engagierten aus Ulm, Mühlheim, Gelsenkirchen, Oberhausen, Osnabrück und Frankreich das Europäische Parlament in Brüssel. Ziel des Treffens war es, sich innerhalb der Fridays For Future-Bewegung zu vernetzen und das Gespräch mit Abgeordneten des Europaparlaments zu suchen. Zugleich wollten sie gemeinsam den Druck auf die Politiker im Europaparlament erhöhen, damit das Thema „Klimaschutz“ endlich konsequent umgesetzt werde. Ein Schritt dazu sei die Ausrufung des Klimanotstands für die Europäische Union durch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an diesem Tag gewesen.

EU-weit den Klimanotstand auszurufen ist nicht genug

Doch das sei längst nicht genug, machte die Gruppe im Gespräch mit dem Europa-Abgeordneten deutlich. „Besonders die Wirkung klimaschädlicher Finanzprodukte und Nahrungsmittelproduktion wurde bisher fast komplett vernachlässigt und muss unbedingt eingedämmt werden!“, war das Fazit von Anton Sieber, Fridays For Future-Aktivist aus Ulm. Dabei war ihnen wichtig, dass das Ziel fortan sein müsse, die Schäden und Zerstörung an Natur und Menschen sozial gerecht zu begrenzen. Die Folgen der Erderwärmung für Menschen im globalen Süden, für zukünftige Generationen und für sozial Benachteiligte werden bei einem „Weiter so“ fatal sein. Zugleich erinnerten sie an die Verpflichtung der Staatengemeinschaft im Pariser Klimaabkommen: „Wir haben uns mit fast allen Ländern der Welt zusammen dazu entschlossen, klimaneutral zu werden. Irgendwann müssen wir also handeln. Da will man doch nicht Letzter sein?“

Einblicke und Diskussion um das europäische Klimaschutzgesetz

Michael Bloss gab ihnen recht und sprach mit ihnen über den schleppend laufenden Zertifikate-Handel. Weil aber die EU keinen Preis für “Verschmutzungs-Rechte” festlegen könne, versprach er sich davon keiner Steuerungswirkung zur Eindämmung von CO2. Zudem hinterfragte er kritisch: “Seit wann darf man jemanden das Recht geben, gegen Zertifikat etwas zu verschmutzen? Die Erde wurde dazu nicht gefragt!” Er warb bei den jungen Aktivistinnen und Aktivisten für wichtige Inhalte des europäischen Klimaschutzgesetzes, das eingebracht werden soll.

„Ohne Fridays For Future wäre das Thema Klimaschutz so nie so deutlich in die Öffentlichkeit getragen worden – und unsere Arbeit der NGOs hier nicht so anerkannt“, würdigte Klaus Röhrig vom Climate Action Network, dem Dachverband der verschiedenen Umwelt-Nichtregierungs-Organisatoren, zu denen auch der BUND zählt, die Arbeit der Ortsgruppen. „Es ist wirklich beeindruckend, wie ihr mit wissenschaftlichen Fakten Druck auf die Politik ausübt. Dieser Druck ist in Brüssel angekommen, das können wir hier spüren. Die Ambitionen sind deutlich gestiegen und das beeinflusst nicht nur Deutschland oder Frankreich, sondern CO2-Verursacher weltweit.“

„Die Anerkennung tut uns gut“

Viel Zeit zum Sight-Seeing dagegen gab es nicht. Obligatorisch war der Besuch des „Hauses der europäischen Geschichte“ und des Atomiums. Wichtiger war der Gruppe die Gespräche mit Vertreter der Klimaschutz-Organisation „Climate Action Network“, Mitarbeiter*innen der Grünen/EFA Fraktion, und einem Mitglied der Federation of Young European Greens. Nico Semsrott von „Die Partei“ hatte sie bewusst abgepasst und posierte mit ihnen spontan für ein Foto. In einem Workshop lernten sie zudem, wie Politiker durch mächtige Interessen von Konzernen unter Druck gesetzt würden. “Das könnt ihr auch”, ermutigte der Vertreter von LobbyControl und machte deutlich, wie Abgeordnete empfänglich und erreichbar seien.

„Es hat uns gut getan, diese Anerkennung zu erfahren,“ meinte Matuš Volkmann im Gespräch. „Es gab wichtige Momente der internationalen Vernetzung und der spontanen Protestbekundungen vor dem Europäischen Parlament. Die Reise hat uns gezeigt, dass es für uns möglich ist, den Dialog mit politischen Entscheidungsträger*innen zu suchen, von den Institutionen der EU Transparenz einzufordern und unserer Stimme Gewicht zu verleihen. Wir werden in der nächsten Zeit auch den Druck auf Europa erhöhen“, so fasst Matuš Volkmann von Fridays For Future Erfurt die Erfahrungen des Wochenendes zusammen.

Mitnehmen, nicht ausgrenzen

Fridays For Future Erfurt bei der Otto-Brenner-Stiftung in Berlin – Podiumsdiskussion zum Thema „Mauern im Kopf“

Wie denken junge Menschen in Ost und West über Wirtschaft, Politik, und Zukunft – 30 Jahre nach dem Fall der Mauer? Darüber diskutierten am 19. und 20. November 2019 auf Einladung Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung in Berlin die Moderatorin Nadine Lindner vom Deutschlandradio mit Annika LIebert von Fridays For Future Erfurt, Ina Reber vom Ortsjugendausschuss Chemnitz der IG-Metall, Rainer Faus von der polytix strategic rewearch gmbH und der Chefreadkteurin Marieke Reimann von ZE.TT, dem Jungen Magazin der Zeit.

Wir stehen für sozial ausgewogenen Klimaschutz”

Grundlage war die bereits die im Frühjahr veröffentlichte Studie der Otto-Brenner-Stiftung zur ersten Nachwende-Generation. Darin stellte man fest: Es gibt noch immer “Mauern im Kopf.” Jugendliche aus Ost und West denken unterschiedlich über die Bedeutung von Bildung und der eigenen Sozialisierung, über die eigene wirtschaftliche Situation und über ihrer eigene Zukunft. In der Podiumsdiskussion wurde deutlich: gerade hinsichtlich der Einstellung zu Politik und Gesellschaft sind die “Mauern” noch da. Im Osten werde die wirtschaftliche Situation deutlich schwieriger gesehen, es gebe gefühlt mehr Ungerechtigkeit, während die Menschen im Westen sich zufriedener zeigten. 

Annika Liebert von Fridays For Future Erfurt auf der Jahrestagung der Otto-Brenner-Stiftung 2019 – Foto(s): Chrisitan von Polentz, © Otto Brenner Stiftung

Eingeladen von der Otto-Brenner-Stiftung in Berlin spricht Fridays For Future Erfurt über “Mauern im Kopf”

Große Unterschiede gäbe es vor allem auch zwischen Stadt und Land.  Auch die Frage, wie man politisch Einfluss nehmen könne, wurde unterschiedlich beantwortet. Annika LIebert zeigte aus Sicht von Fridays For Future Erfurt auf, wie das Thema Klimawandel im Osten ganz anders polarisiere: “Es ist bei Fridays For Future Erfurt ein großes Thema: Wie schaffen wir das, unser Anliegen für mehr Klimaschutz besser zu etablieren? Wir haben den Eindruck, dass wir Osten dafür stärker arbeiten müssen.“

„Wir müssen uns neu orientieren, was Klimaschutz und insbesondere Klimagerechtigkeit für uns konkret bedeuten – und was wir erreichen können.“ erzählte sie dabei von der Arbeit von Fridays For Future Erfurt. Die Menschen haben das Gefühl, man wollte ihnen etwas erreichtes wieder wegnehmen. Dabei ist Klimawandel für uns keine Sache von Verboten. „Uns geht es vielmehr um eine ausgewogene soziale Gerechtigkeit, damit wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Wir wollen die Leute mitnehmen, nicht ausgrenzen!”

„Wir wollen die Menschen beim Klimaschutz mitnehmen – nicht ausgrenzen.“

Angesprochen auf die Rolle der Medien meinte sie, man dürfe nicht Rechts und Links miteinander vergleichen. Für die Aussage: „Bodo Ramelow hat in den letzten Jahren gute Arbeit gemacht.“ erntete sie großen Szenenapplaus. Sie wünschte sich jedoch mehr Transparenz und Differenzierung in der Berichterstattung. „Gerade bei dem Thema Klimaschutz habe ich den Eindruck, da bewegt sich etwas.“

Bewusst war für die Podiumsdiskussion eine Vertreterin einer kleinen Fridays For Future-Ortsgruppe eingeladen worden, weil man bewusst ihre Sicht aus den östlichen Bundesländern hören wollte. Anlass für die Podiumsdiskussion war die Verleihung des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus, der in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen wurde und an das Rechercheteam von Panorama und correctiv ging, die die cum-ex-Geschäfte aufdeckten und weiterverfolgten.

Mehr über die Otto-Brenner-Stiftung auf https://www.otto-brenner-stiftung.de/ . Die Podiumsdiskussion in voller Länge ist dort dokumentiert: https://www.otto-brenner-stiftung.de/veranstaltungen/veranstaltungs-dokumentation/jahrestagungen-der-obs/2019/

Wir danken herzlich für die zur Verfügung gestellten Fotos: Chrisitan von Polentz, © Otto Brenner Stiftung.

Forderungspapier vorgestellt

Heute wurde in Erfurt das Forderungspapier an die neu zu wählende Landesregierung vorgestellt – und der Baum der Erkenntnis gepflanzt, zusammen mit einer Zeitkapsel mit den Forderungen von Schülern und Jugendlichen an die Politik von morgen.

Wir stellen hier bewusst unseren Forderungskatalog auf:

Fridays for Future Thüringen fordert die neue Landesregierung auf, ihrer
Verantwortung zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und des 1,5°C-Ziels
gerecht zu werden. Explizit fordern wir deshalb eine Revision des Thüringer
Klimagesetzes, das in seiner jetzigen Form völlig unzureichend ist, um die
Thüringer Treibhausgasemissionen im notwendigen Maße zu reduzieren.

Insbesondere fordern wir bis 2035
• Klimaneutralität des Bundeslands Thüringen
• Sektorübergreifend 100% erneuerbare Energieversorgung

Sofort
• Massiver und stark beschleunigter Ausbau der Windkraft (auf mind. 2% der
Landesfläche bis 2030) und der Photovoltaik in Thüringen
• Einsatz der Thüringer Landesregierung auf Bundesebene für eine CO2
Steuer, die schnell auf 180 € pro Tonne CO2 steigt
• Ende aller fossilen Subventionen des Landes, u.a. für den Flughafen Erfurt-
Weimar
• Verpflichtung der Landwirtschaft zur ausreichenden Emissionsreduktion im
Rahmen des Thüringer Klimagesetzes
• Unabhängige und wissenschaftliche Überprüfung aller Gesetze und
Entscheidungen der Landesregierung und Landesverwaltung hinsichtlich
ihrer Klimaverträglichkeit, einschließlich öffentlicher Kommunikation der
Ergebnisse

Es liegt nun in der Verantwortung der politischen Entscheidungsträgerinnen in Zusammenarbeit mit Expertinnen aus der Wissenschaft dafür zu sorgen, dass ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht wird, das auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur durch den Menschen verursachten Klimakrise beruht und das Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu umfangreichen Veränderungen anregt. Zu dieser Verantwortung gehört es auch, transparent vorzugehen, die Bürger*innen Thüringens faktenbasiert über die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen aufzuklären und die positiven Möglichkeiten, die durch Klimaschutz entstehen, öffentlich zu kommunizieren.

Es darf nicht die alleinige Aufgabe der Jugend sein, Verantwortung für die
Priorisierung des Klimaschutzes zu übernehmen. Da die Politik diese jedoch
gerade kaum wahrnimmt, sehen wir uns gezwungen, weiter zu streiken, bis
gehandelt wird!

Letzte Chance – vorbei?

Am Freitag ist unsere letzte Chance, noch einmal alle zu erinnern, dass auch diese Landtagswahl eine Klimawahl ist. Fridays For Future ruft deshalb auf: auf die Straße fürs Klima in Thüringen! Gemeinsam schaffen wir das!

Wind machen – Auf nach Pößneck!

Nächste wichtige Klimawahl-Aktion: Ganz Thüringen nach Pößneck! Fokusdemo zum Thema Windkraft!
Am Samstag (19. Oktober) fahren wir alle gemeinsam nach Pößneck, wo um 14 Uhr am oberen Bahnhof eine Thüringenweite FFF-Demo zum Thema Windkraft losgeht. Das Thema ist gerade auf dem Land ein unheimlich wichtiges Wahlkampfthema und wir wollen uns für die Windkraft stark machen und gleichzeitig auch zeigen: Uns geht es nicht nur um Menschen in der Stadt! Also auf! Ganz Thüringen nach Pößneck! Wir brauchen euch wieder alle!
Genaue gemeinsame Abfahrtszeiten folgen die Tage noch in einem weiteren Post, also streicht euch den Termin schon einmal rot im Kalender an.
https://www.facebook.com/events/430581694235045/?ti=as

Podiumsdiskussion: Protest und Schulpflicht: wie ist das vereinbar?

Am Donnerstag seid ihr eingeladen zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Protest vs. Schulpflicht – Wie umgehen mit demokratischen Anliegen?“ im Nerly in Erfurt. Zwei Vertreter*innen von Fridays for Future Thüringen werden dort argumentieren, weshalb es in Zeiten der Klimakrise so wichtig ist, dass die junge Generation die ihr zur Verfügung stehenden Druckmittel nutzt.

https://www.facebook.com/events/752065385242935/?active_tab=about

Landtagswahlen sind Klimawahlen – wir machen weiter!

+++ SAVE THE DATE +++ Landtagswahlen sind Klimawahlen! Nachdem wir vor einer Woche in Erfurt schon erfolgreich auf die Bedeutung des Klimaschutzes im Wahlkampf aufmerksam gemacht haben, ist es nun an der Zeit, den Druck aufrecht zu erhalten. Deshalb rufen wir in allen Thüringer Ortsgruppen für den 25. Oktober zu dezentralen Klimastreiks auf! Zwei Tage vor der Wahl müssen wir überall so viele wie möglich werden, um sicherzustellen, dass sich der nächste Landtag für unsere Zukunft einsetzen wird! Seid dabei!

Genauere Infos zu den Streiks folgen in den nächsten Wochen. 🙂

https://fridaysforfuture.de/streik-zu-den-landtagswahlen-i…/

Machen wir die Landtagswahlen zu Klimawahlen

Für den 25. Oktober 2019 ruft Fridays for Future Thüringen im ganzen Bundesland zu dezentralen Klimastreiks vor der Landtagswahl auf. Menschen aus dem Rest des Bundesgebietes sind eingeladen, die Demonstrierenden bei ihren Aktionen zu unterstützen.

Am 27. Oktober 2019 wird in Thüringen der neue Landtag gewählt – die Fridays for Future Aktivist*innen vor Ort betonen: Dieser Landtag wird der letzte sein, der wirkungsvolle Maßnahmen zur Begrenzung der Klimakrise umsetzen kann. Deshalb muss den Kandidat*innen bereits vor der Wahl verdeutlicht werden: Wer in den Landtag einzieht, trägt die Verantwortung, jungen Menschen auf der ganzen Welt und zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Landwirtschaft und Industrie müssen mehr bringen

Genau wie im Rest von Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt geht Fridays For Future auch in Thüringen seit über neun Monaten jeden Freitag auf die Straße, um für konsequenten Klimaschutz zu streiken. Und genau wie im Rest der Welt ist auch hier bei uns bisher viel zu wenig passiert. Zwar brüsten sich Politiker*innen hier gern mit dem ersten Klimagesetz der neuen Bundesländer und mit den stark gesunkenen Emissionen Thüringens, sie lassen dabei aber meistens aus, dass das eben genannte Gesetz Klimaneutralität erst in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts vorsieht, Landwirtschaft als klimaschädlichen Faktor komplett ignoriert – offensichtlich um den Bauernverband nicht wütend zu machen – und die Emissionseinsparungen des Freistaates zum Großteil dem Rückbau von Industrien nach der Wende zu verschulden sind und der CO2-Ausstoß Thüringens in den letzten Jahren sogar wieder anstieg.

Auch im „grünen Herzen Deutschlands“ läuft der Klimaschutz alles andere als Rund. Die Entscheidungsträger*innen des Bundeslandes vernachlässigen den Schutz zukünftiger Generationen und das Instandhalten eines intakten Planeten und bevorzugen stattdessen halbgare Kompromisse, die die Katastrophe, auf die wir zulaufen, niemals werden aufhalten können. Besorgniserregend sind darüber hinaus die Strategien politischer Kräfte, die sich nicht eindeutig zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich der Klimakatastrophe bekennen oder deren Existenz vollständig leugnen. Das wollen wir uns nicht länger bieten lassen!

Die letzte Chance, die Landtagswahlen zu Klimawahlen zu machen

Bei dem zentralen Klimastreik aller Thüringer Ortsgruppen in Erfurt am 27. September haben mehr als 1.800 Streikende bereits ein Zeichen für ihre Forderungen nach Klimagerechtigkeit gesetzt und dazu beigetragen, das Thema in die öffentliche Diskussion zu tragen. Dieser Druck soll nun weiterhin aufrechterhalten werden:

Deshalb rufen wir für den 25. Oktober, den Freitag vor der Landtagswahl, dazu auf, im ganzen Bundesland für Klimagerechtigkeit zu streiken. Nutzen wir diese letzte Chance, die Landtagswahlen zu Klimawahlen zu machen!

#EF 2709 Rückblick: Zentraler Klimastreik in Erfurt

Zum zentralen Klimastreik in Erfurt 4 Wochen vor den Landtagswahlen in Thüringen sind am Freitag nach Zählungen der Ordner über 1800 Menschen auf die Straßen gegangen – und das bei um Teil strömendem Regen. „Wir lassen uns nicht unterkriegen, selbst von diesem Wetter nicht“, war die einhellige Meinung der Beteiligten. Und sie wurden belohnt: Das Wetter klarte auf, die Stimmung stieg bis zum Abend steil an. Sogar der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, lies sich zu Beginn der Demonstrationen am Hirschgarten sehen und zeigte damit seine Solidatität mit Fridays For Future. „Politik müsse genau hinhören und dann überlegen, was davon umsetzbar sei!“, meinte er im Gespräch mit dem MDR.

Promintente Unterstützung

Prominente Unterstützung bekamen sie auch von Greta Thunberg, die ein Foto der Erfurter Demonstration weltweit teilte, und von Shary Reeves, bekannt von der Fernsehsendung „Wissen macht ah!“. Sie stellte noch einmal klar: die letzten vier Jahre waren die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Und sie dankte den Aktivisten, die mehr als nur ein Katalysator seien. „Ihr habt recht: wir müssen etwas verändern!“, heizte sie auf dem Fischmarkt ein.

Ergebnisse des Klimakabinetts völlig unzureichend

Heiß waren auch die Themen, ging es nicht nur um die Landtagswahlen in Thüringen, sondern vor allem auch um die Ergebnisse des Klimakabinetts vom vergangenen Freitag. „Völlig unzureichend und ohne Signalwirkung“, so die einhellige Meinung – die übrigens Deutschlandweit geteilt wird. Die Demonstranten forderten von der Landesregierung, den Klimanotstand auszurufen.

Klimanotstand für Thüringen ausrufen

„Es wird viel zu wenig getan“, stellten sie fest und forderten von der Politik mehr Engagement. „Thüringen muss bis 2035 klimaneutral sein – und nicht erst 2050, wie im Klimagesetz festgeschrieben!“, so eine der Forderungen an den neu zu wählenden Landtag – der letzte, der noch etwas gegen den Klimawandel tun könne, so die Überzeugung von Fridays For Future. Dazu gelte es nicht nur, die erneuerbaren Energien auszubauen, sondern auch den Nahverkehr. Derzeit wird ein Forderungskatalog erarbeitet, der auf einer Pressekonferenz am 18. Oktober, gut eine Woche vor der Wahl, bekannt gegeben werden soll.

Gute Musik und spontane Begrüßung von Angela Merkel

Am Abend heizten die Band WaveLand-Gang aus Witten, die den „Fridays For Future-Song „No Planet B“ geschrieben haben, und die Band Traumfresser die Demonstranten noch einmal ein. Schließlich wurde auch Kanzlerin Angela Merkel mit einer Spontandemo im Garten des Landtags begrüßt, die zu einem Spitzengespräch mit der CDU in Erfurt erwartet worden war.